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Am Anfang war der Ball

Militärisches Training oder Fruchtbarkeitsritual - die Wurzeln des modernen Fußballspiels reichen bis in die Antike und das Mittelalter.

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Der Legende zufolge soll sich in der englischen Stadt Derby im Jahr 217 n. Chr. folgendes Ereignis zugetragen haben: Unbewaffnete Briten warfen römische Besatzer aus ihrer Ortschaft, erschlugen sie und beschlossen, dieses Ereignis mit einem Fußballspiel zu feiern- eine Anregung, die sich die Vorfahren der späteren Fußballnation Nummer eins möglicherweise von den Römern selbst abgeschaut hatten. Denn diesen wird nachgesagt, die eigentlichen Erfinder des ganzen Spektakels zu sein.

Historisch belegt ist allerdings nur, dass die Römer der Antike begeisterte Ballspieler waren. Die Spiele wurden meist im Bereich der Thermen praktiziert. Nach welchen Regeln sie stattfanden, ist nicht überliefert.

Ein fußballähnliches Spiel dürfte dagegen im antiken China existiert haben. Ein Spiel namens .,cuju", übersetzt .,einen Ball mit dem Fuß stoßen", war bereits Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung populär. Regeln sind auch hier nicht überliefert, das Kicken des ausgestopften Lederballs dürfte zunächst vor allem im militärischen Training von Bedeutung gewesen sein. Später wurde das Spiel auch unter Zivilisten beliebt, um 600 n. Chr. hatte es sich zu einer Art Nationalsport entwickelt. Die FIFA hat China im Jahr 2004 offiziell als Geburtsort des Fußballs anerkannt.

Als Wiege des modernen Fußballs ist England unumstritten . "Nach dem Mittagessen zieht die gesamte Jugend der Stadt hinaus auf die Wiesen, um das berühmte Ballspiel auszuüben", heißt es in einer Beschreibung Londons aus dem Jahr 1174. Der Name Fußball tauchte erstmals auf, als der Bürgermeister von London im Jahr 1314 das Spiel aus der Stadt verwies, um Unruhen zu vermeiden.

ln den darauf folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Fußball in England zu einem rauen volkstümlichen Vergnügen: Meist trat die Bevölkerungzweier Dörfer in einer Art archaischem Rempel- und Drängelbewerb ohne viele Regeln gegeneinander an. Ziel war meist, den Ball von weit draußen auf den Feldern durch das gegnerische Stadttor zu befördern. Manche Orte pflegen die Tradition des Massenfußballs noch heute. Oie Wettbewerbe fallen meist in die Faschingszeit, was Historiker vermuten lässt, das ursprüngl iche Fußballspiel sei ein Ritual zur Vertreibung des Winters oder zur Begrüßung des Frühlings gewesen. Auch in Ital ien und Frankreich wurden ab dem Spätmittelalter ähnliche Ballspiele praktiziert.

Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in England Fußball und Rugby - bei dem die Berührung des Balls mit der Hand erlaubt ist - auseinander zu entwickeln. 1848 gab es von Studenten in Garnbridge den ersten Versuch, Regeln für das Spiel festzulegen. Bald wurden in den Städten von aufstrebenden jungen Bürgern erste Fußballklubs gegründet, die sich 1863 in London zur Football Association zusammenfanden und die ersten allgemein akzeptierten Fußballregeln verabschiedeten. Das Handspiel wurde 1870 endgültig verboten, die Position des Tormanns eingeführt. 1872 fand in Glasgow zwischen England und Schottland das erste offizielle Ländermatch statt. 1875 wurden in Braunschweig die ersten deutschsprachigen Fußballregeln herausgegeben. 1894 kam es in London zur Gründung der ersten Frauenfußballmannschaft. Im seihen Jahr wurde in Wien der First Vienna Football -Club gegründet. 1904 wurde in Paris die Weltfußballorganisation FIFA ins Leben gerufen. ln Uruguay fand 1930 die erste Fußballweltmeisterschaft statt. 1938 wurde das Regelwerk neu verlasst und bekam damit weit gehend seine heutige Form.

profil 2.Juni 2006

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